BSPaf zur Universitätsschule ernannt

Die Staatliche Berufsschule Pfaffenhofen wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zum Schuljahr 2017/18 zur weiteren Universitätsschule des Lehrstuhls für Berufspädagogik der Technischen Universität München ernannt.

René Rempfer
René Rempfer

Gemeinsame Lehrerbildung im Kontext von Industrie 4.0

Zusammenarbeit des Lehrstuhls für Berufspädagogik der TU München mit der Staatlichen Berufsschule Pfaffenhofen

In seiner Regierungserklärung vom 26. März 2009 „Qualität und Gerechtigkeit. Bayerns Schulen stark machen für die Zukunft“ prägte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle 2009 den Begriff der Universitätsschule in Anlehnung an die bereits bestehenden Universitätskliniken. Damit wurde dem Wunsch nach einer verstärkten Vernetzung zwischen der ersten und zweiten Phase der Lehrerbildung Ausdruck verliehen. Theorie, Praxis, Forschung und Lehre sollen zum Nutzen von Schülern, Lehrern, Referendaren, Forschenden, Studierenden, Studienseminaren und aller Beteiligten verstärkt miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Am Beispiel der Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl für Berufspädagogik der Technischen Universität München (TUM) unter Leitung von Frau Prof. Dr. Eveline Wittmann und der Staatlichen Berufsschule Pfaffenhofen unter Leitung von Herrn OStD Hubert Ruisinger wird hier gezeigt, wie eine solche Zusammenarbeit im Kontext von Industrie 4.0 aussehen kann:

In den Fachabteilungen Elektro- und Metalltechnik an der staatlichen Berufsschule Pfaffenhofen ist jeweils ein Seminar für die zweite Phase der Lehrerbildung verortet. Auch in den Abteilungen Wirtschaft, Holztechnik und Landwirtschaft sind Referendare eingesetzt. Hier ist also die zweite Phase der Lehrerbildung ebenfalls vertreten. Für die Zusammenarbeit zwischen der Staatlichen Berufsschule Pfaffenhofen und der Technischen Universität München führen die Abteilungen Landwirtschaft, Wirtschaft, Elektro- und Metalltechnik ein fachbereichs-übergreifendes, an Geschäftsprozessen orientiertes Projekt durch. Dabei treten Schüler der Landwirtschaftsabteilung als Kunden auf und spezifizieren ein Lastenheft für die elektronische Datenerfassung relevanter Parameter auf dem Feld. Schüler der Elektro- und Metallabteilung erstellen daraufhin gemeinsam das Pflichtenheft und entwickeln in Abstimmung mit der Landwirtschaftsabteilung die erforderliche Hard- und Software zu einem cyberphysischen System im Sinne von Industrie 4.0. Begleitet werden Sie dabei von den Schülern der Wirtschaftsabteilung, um die Markttauglichkeit zu prüfen. Nicht nur die Lehrer und Schüler der genannten Abteilungen arbeiten hier fachbereichsübergreifend zusammen. Involviert sind neben den Referendaren auch Studierende unterschiedlicher beruflicher Fachrichtungen der Technischen Universität München und Mitarbeiter des Lehrstuhls für Berufspädagogik, also Vertreter der ersten Phase der Lehrerausbildung. Für Praktika im Rahmen der schulpraktischen Übungen (TUMpaedagogicum) und Forschungsprojekte, zum Beispiel zu forschendem Lernen, bietet das Projekt ein Übungs- und Forschungsfeld. Dadurch entsteht eine enge Vernetzung zwischen der ersten und zweiten Phase der Lehrerbildung und zwischen Theorie, Praxis, Forschung und Lehre mit Blick auf die Ausbildung von Lehrkräften im Kontext von Industrie 4.0. Der ganzheitliche Charakter des Konzepts wird unter anderem unterstrichen durch die selbst gewählten Ziele des SQV (Schulspezifischen Qualitätsverständnisses) wie die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen, die individuelle Förderung der Schüler und die Pflege einer Feedbackkultur nach aktuellen Forschungsständen.

Um die gewonnen Erkenntnisse nach einer kritischen Betrachtung zu bewerten, sie nachhaltig zu sichern und sie anderen Schulen, Seminaren, Hochschulen und anderen zugänglich zu machen, erfolgt in regelmäßigen Abständen eine gemeinsame Überprüfung durch die Beteiligten. Die Kriterien für die Erfolgsbewertung sowie die Qualitätssicherung an sich sind ebenfalls Forschungsgegenstand. 

Schließlich werden die Ergebnisse aus der Kooperation im Rahmen von internen (Schulinterne Lehrerfortbildungen, SchiLF) und externen Lehrerfortbildungen, bei Hochschulveranstaltungen oder bei Arbeitstreffen zwischen den Schulen weitergegeben und Feedback eingeholt. Dieses fließt in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess immer wieder ein. Das Konzept ist also nie endgültig abgeschlossen, sondern wird immer weiterentwickelt.

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